Die Menschen dahinter
Heike Pfund & Wolfgang Köllisch
Heike Pfund & Wolfgang Köllisch
Restauratorin & Architekt
Das Projekt
Als wir das Haus in der Hauptstraße 56 erwarben, wartete es bereits seit über 20 Jahren auf jemanden, der seinen Wert erkennt. Die alten Türen, die Dielenböden, die Bohlenwände — all das war noch da, nur ein wenig müde geworden.
Mit Leidenschaft, Geduld und dem nötigen Respekt vor der historischen Substanz haben wir 2022 mit der Restaurierung begonnen. Als Restauratorin und Architekt war uns von Anfang an klar: Das Haus soll so authentisch wie möglich bewahrt werden — und gleichzeitig modernen Komfort bieten.
Begleitet wurden wir dabei von der Stiftung Umgebindehaus, dem Landesdenkmalamt Sachsen und erfahrenen Handwerkern der Region.
Restauratorin
Heike Pfund
Diplomrestauratorin mit Schwerpunkt Architekturoberfläche/Wandmalerei
Architekt
Wolfgang Köllisch
Dipl.Ing. Architekt und Restaurator im Schreinerhandwerk
Das Umgebindehaus in der Hauptstraße 56 dürfte um 1760 erbaut worden sein — eine dendrochronologische Untersuchung eines Ständers der Westfassade ergab ein Fälldatum von 1760. In einem historischen Lageplan aus der Zeit zwischen 1790 und 1805 ist das Haus bereits eingezeichnet.
Das Haus wurde als Fachwerkkonstruktion mit zwei Bohlenstuben im Erdgeschoss erbaut — typisch für die Weberhäuser der Region, in der die Leinenweberei in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts einen starken Aufschwung erlebte. Es handelt sich um einen Langständerbau, dessen vier Eckständer sich vom Erdgeschoss bis zur Fachwerkrähm des Dachstuhls erstrecken.
Die Fassaden im Obergeschoss sind mit dem sogenannten Lausitzer Verschlag bekleidet — vertikal laufende Bretter mit Deckleisten, die Zierleisten sind in einem charakteristischen Zwiebelmuster gestaltet. Eine besondere Rarität ist der weit gespannte, zwiebelförmig eingeschnittene Umgebindebogen an der Westseite, der in dieser Art an keinem anderen Haus der Region vorgefunden wurde.
Im Jahr 1848 gab es einen Teilbrand, dokumentiert in der Brandchronik von Obercunnersdorf — auf allen Ebenen finden sich noch Balken mit Brandspuren. Auf Schwarz-Weiß-Fotos aus dem Jahr 1931 ist das Haus gut erkennbar, mit dem charakteristischen Treppenpodest und dem Geländer, das rekonstruiert werden konnte.
Dokumentation der Restaurierung
Einblicke in die Arbeit der vergangenen Jahre — vom Dornröschenschlaf zur wiedererweckten Schönheit.
Es besteht die Gefahr, dass man seinen ursprünglichen Anspruch an den Erhalt reduziert. Wir haben uns dagegen entschieden.Heike Pfund, Restauratorin